Interview mit Elisabeth Mittelstädt

Grösser als meine Träume

Das Leben der bekannten Publizistin spiegelt das 20. Jahrhundert wieder. Ihr Weg führte aus einem ungarischen Dorf in der Vojvodina über Deutschland, Kanada und Amerika zurück nach Europa. Und Jesus ist immer dabei – besonders in Schwierigkeiten.



Elisabeth Mittelstädt, geb. 1946, ist Gründerin und Redaktionsleiterin der Frauenzeitschrift LYDIA, die neben Deutsch auch in Ungarisch und Rumänisch erscheint. Die deutsche Ausgabe feierte in diesem Jahr ihr 25-jähriges Jubiläum. Kontakt: redaktion@lydia.net, www.lydia.net
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VOICE: Sie sind Initiatorin und Chefredakteurin von LYDIA. Für wen machen Sie diese Zeitschrift?

 

Elisabeth Mittelstädt: Für alle, die sie lesen möchten. Besonders für Frauen, die wahre Geschichten mögen, die lebensnah und ermutigend sind.

In den Artikeln geht es darum, Gott und unsere Mitmenschen zu lieben. Heilung zu finden für Körper, Seele und Geist. Im Mittelpunkt steht dabei die beste Nachricht der Welt: Jesus liebt uns. Die Zeitschrift spricht Frauen an, die schon lange mit Gott unterwegs sind, aber auch Menschen, die noch auf der Suche sind oder erst seit Kurzem mit ihm durchs Leben gehen. Zu unserem Leserkreis gehören alle Altersgruppen; die meisten sind in der Lebensmitte. Genauso bunt gemischt ist auch die Kirchenzugehörigkeit: Viele kommen aus den verschiedenen Kirchen und Freikirchen; andere gehören keiner Kirche an.

 

VOICE: Wie kamen Sie selbst zum Glauben an Jesus Christus?

 

Elisabeth Mittelstädt: Ich bin im ungarischen Teil des früheren Jugoslawiens aufgewachsen, während der Zeit des Kommunismus. In der Schule hat mein Lehrer immer wieder betont: „Es gibt keinen Gott.“ Aber meine Großmutter war anderer Meinung. Gerne ging sie in die katholische Kirche. Weil sie alt war, gehörte sie nicht zur Zielgruppe der Kommunisten und man ließ sie in Ruhe.

Als ich neun Jahre alt war, besuchte meine Tante einmal meine Familie und erzählte uns etwas, das für uns neu war: „Wenn wir zu Gott wollen, gibt es nur einen Weg: Jesus Christus. Die Sünde trennt uns von Gott. Aber Jesus ist auf die Welt gekommen und am Kreuz für uns gestorben. Durch das Kreuz hat er zwischen uns und Gott eine Brücke gebaut.“ Ich wusste: Ich will zu Gott gehören! Deshalb habe ich alle Sünden bekannt, die mir eingefallen sind, und Jesus als meinen Erlöser angenommen.

 

VOICE: Ihr Leben war ja wirklich nicht einfach, Ihr Buch liest sich wie ein Drehbuch zu einem spannenden Film. Was wäre ohne Jesus für Sie anders gewesen?

 

Elisabeth Mittelstädt: Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie mein Leben ohne Jesus verlaufen wäre! Ich glaube, ich wäre irgendwo in meinen Problemen steckengeblieben. Ohne seine Hilfe hätte ich es zum Beispiel nicht geschafft, zu vergeben, als ich mit Ende dreißig nach einer Fehlbehandlung unter ständigen Schmerzen litt.

Die Schmerzen drückten mich nieder und zogen mich in eine tiefe Hoffnungslosigkeit. Ich klagte mich selbst an: „Warum bin ich zu diesem Arzt gegangen?“ Doch als ich Jesus um Hilfe bat, gab er mir nicht nur die Kraft, anderen zu vergeben, sondern auch mir selbst. Ich glaube, die traurigsten Worte sind: „Hätte ich nur …“ Jesus half mir, meine Opfermentalität loszulassen, und zeigte mir Sinn und Ziel meines Lebens. Gerade in dieser Zeit vertraute er mir einen besonderen Auftrag an: die Zeitschrift LYDIA.

 

VOICE: Ist der persönliche Glaube eine Lösung für andere Menschen, die in persönlichen Notlagen sind oder in großer Sorge wegen der steigenden Zahl von gesellschaftlichen Problemen und Naturkatastrophen?

 

Elisabeth Mittelstädt: Der persönliche Glaube an Jesus gibt Halt, Trost und ewige Hoffnung – auch mitten im Leid. Viele Menschen haben Angst, weil uns in diesem Jahr so viele schlimme Nachrichten erreichten. Sie fragen sich: „Wo finde ich Halt, wenn mein Leben ins Wanken gerät?“

Manche lassen sich nicht auf Gott ein, weil sie glauben, er sei an den Katastrophen schuld. Aber ist das so? Ich glaube, einige Katastrophen werden von Menschen verursacht, andere durch natürliche Gegebenheiten. Wir wissen, dass es bestimmte Gebiete gibt, wo mehrere Erdplatten zusammentreffen. Wenn sie sich ruckartig gegeneinander verschieben, löst das Erdbeben aus. Die Menschen wissen, dass es dort leicht zu Erdbeben kommen kann, aber sie nehmen dieses Risiko in Kauf und wohnen trotzdem dort. Ein solches Gebiet ist auch Kalifornien. Mein Mann und ich wohnten viele Jahre dort und haben selbst Erdbeben miterlebt. Natürlich war das erschreckend, besonders wenn wir aus dem Schlaf gerissen wurden und die Bilder von der Wand flogen! In Japan treffen nicht nur zwei Erdplatten aufeinander, sondern vier! Die Menschen müssen damit rechnen. Dennoch fühle ich ganz stark mit den Menschen mit und bete für sie.

Ich möchte eine Gegenfrage stellen: Was ist das Schlimmste, das im Leben passieren kann? Ist es Leid? Armut? Katastrophen? Nein. Das Schlimmste ist, ohne Sinn und Ziel zu leben, ohne Hoffnung, ohne Gott und ohne Jesus.

 

VOICE: Können Sie uns Ihr schönstes Erlebnis mit Jesus erzählen?

 

Elisabeth Mittelstädt: Das ist schwer! Ich habe so viel Schönes mit Jesus erlebt, dass ich kaum etwas herausgreifen kann. Aber ich will ein Beispiel erzählen.

1994 erkrankte ich durch einen Zeckenbiss an Borreliose. Lange wurde es nicht erkannt und schließlich landete ich im Rollstuhl. Am Weihnachtsabend war mein Zustand sehr kritisch. Da erinnerte ich mich an ein Geschenk. Eine Bekannte hatte das Paket im Sommer aus den USA abgeschickt. Erst im November war es bei mir angekommen. Auf dem Paket stand: „Nicht vor Heiligabend öffnen!“ Als mein Mann es mir gab und ich es öffnete, kam ein Schuhkarton zum Vorschein. Darin fand ich ein Paar weiße Joggingschuhe. Was für eine Ironie, dachte ich. Zu meinem Mann sagte ich: „Joggingschuhe? Wer weiß, ob ich überhaupt je wieder gehen kann!“ Doch als ich die Schuhe näher betrachtete, entdeckte ich innen einen kleinen Schriftzug: „Walking Shoes“ – Schuhe zum Gehen. Wir schauten einander an und weinten.

Dieses Geschenk war für mich ein Hoffnungszeichen! Jesus schickte mir ein Paar Laufschuhe, um mich zu ermutigen: Ja, du wirst wieder laufen! Wir spürten, dass dieses Geschenk Gottes perfektes Timing war, denn als die Absenderin die Schuhe kaufte, wusste sie nichts von meinem Zustand.

Dieses Erlebnis hat mein Vertrauen in Gott gestärkt und mir geholfen, nicht die Hoffnung zu verlieren. Ich stellte die Schuhe bewusst neben mein Bett. Viele Monate schaute ich sie an … bis der Tag kam, an dem ich tatsächlich darin laufen konnte! Seitdem liebe ich diesen Vers ganz besonders: „Ich laufe den Weg deiner Gebote; denn du tröstest mein Herz“ (Psalm 119,32). Er ist wirklich größer als meine Träume!

 

VOICE: Herzlichen Dank! Wir wünschen Ihnen Gottes Segen und viele gute persönliche Erfahrungen mit Jesus. 



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