Interview mit der Autorin Marie-Sophie Lobkowicz

Wenn Träume sterben

Nicht immer läuft alles so, wie wir uns das wünschen. Ein lebendiger Glaube gibt Kraft in schwierigen Zeiten.



Marie-Sophie Prinzessin Lobkowicz, geb. 1980, stud. phil., kam durch die Rückkehr ihrer Familie nach Böhmen 1992 in die Tschechische Republik und lebt heute in München. Sie studierte Geschichte in Wien und lernte dort ihren Freund kennen, der an Krebs starb. Ihr erstes Buch beschreibt ihre gemeinsame Zeit.
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VOICE: Sie lassen in Ihrem Buch die Leser miterleben, wie sich aus erstem Interesse zunächst Zuneigung und dann Liebe zu einem todkranken jungen Mann entwickeln. Wie passt das zu dem Lebenskonzept einer jungen unternehmungslustigen Studentin?
 
Marie-Sophie Lobkowicz: Hat man als Studentin ein Konzept? Ich fürchte das haben die Wenigsten. Ich hatte auf jeden Fall keins. Ich versuchte, Scheine zu machen und ansonsten das Leben einfach zu genießen. Aber es stimmt – von weitem gesehen sieht es so aus, als könnte das eigentlich nicht ins Konzept passen. Was man vielleicht wissen muss ist, dass Conte ebenfalls ein sehr unternehmungslustiger junger Mann war. Charmant obendrein. Er hat sich von seiner Krankheit so wenig wie möglich einschränken lassen. Wir haben uns kennen gelernt und verliebt – da hat am Anfang der drohende Tod keine Rolle gespielt. Und später war unsere Beziehung sehr, sehr stark von der Hoffnung auf seine Heilung geprägt. Und Hoffnung ist wohl das, was einem die größte Lebensfreude gibt. Der Schatten des Todes ist zwar realistisch über uns gehangen – die Ärzte haben ihm keine Hoffnung gemacht, aber wir haben uns auf das Leben konzentriert und im Glauben starke Hoffnung gefunden.
 
VOICE: Sie haben in diesen schwierigen Wochen große Belastbarkeit, Durchhaltevermögen, Selbstvertrauen, aber auch Gottvertrauen bewiesen. In Amerika wurden vor einiger Zeit Führungskräfte befragt, wo sie ihre wichtigsten Kompetenzen erworben hätten, und die meisten antworteten: in meiner Familie. Können Sie das bestätigen?
 
Marie-Sophie Lobkowicz: Voll und ganz. Als zweite von sieben Geschwistern kann man wohl nicht anders, als zurecht zu kommen. Obendrein haben wir einen sehr festen Familienzusammenhalt, der sich in der Zeit mit Conte stark gezeigt hat. Meine Eltern und Geschwister haben großen Anteil genommen und waren auch da, wenn es nötig wurde. Besonders dankbar bin ich meinen Eltern. Nicht nur, weil sie bedingungslos hinter mir standen, sondern, weil sie mich auch losgelassen haben. Sie haben es einfach zugelassen, was geschehen ist und mich als erwachsenen Menschen in der Situation gesehen und behandelt – und dennoch konnte ich bei meiner Mami zusammenbrechen…
 
VOICE: Können Sie zwei oder drei Erfahrungen nennen, die für Sie und Ihren Freund besonders wichtig waren?
 
Marie-Sophie Lobkowicz: Besonders wichtig – das ist schwer zu sagen, weil für mich jetzt im Rückblick die ganze Zeit als besonders wichtig scheint. Aber es war auf jeden Fall ein besonderer Moment, als wir es geschafft haben, das erste Mal gemeinsam zu beten. Das ist nicht leicht gewesen und war wirklich schön. Es hat etwas unglaublich Verbindendes, miteinander beten zu können.
Es war auch wichtig, dass ich seinen Bruder kennen gelernt habe. Das war Conte ein großes Anliegen und mir eine echte Freude. Mir ist Familie sehr wichtig und so war es einfach gut auch aus seiner Familie jemanden zu erleben.
Vielleicht waren aber auch gerade die kleinen, ganz normalen Situationen so wichtig für uns – ins Kino zu gehen und dafür besonders bequeme Sitze auszusuchen. Oder unsere Ausflüge zu McDonalds, obwohl das nicht in seinen Diät-Plan passte…oder einfach nur Kaffee trinken zu gehen mit Freunden. Weil normale Dinge zu tun eben doch nicht ganz selbstverständlich war. Da nimmt man sie vielleicht besser wahr.
 
VOICE: Wie haben Sie verkraftet, dass trotz des Gebetes um Heilung die Krankheit blieb und was gab Ihnen die  Kraft, trotz der schwindenden Hoffnung nicht zu verzweifeln?
 
Marie-Sophie Lobkowicz: Die Hoffnung ist bei mir bis 24 Stunden vor seinem Tod nicht geschwunden. Und auch bei ihm nicht. Sonst hätte er nicht darauf bestanden, noch mal zur Therapie zu fahren – das tut man nicht, wenn man die Hoffnung aufgegeben hat. Und dann muss ich sagen, dass ich echt gut finde, was meine Mami gesagt hat: Heil ist etwas anderes als gesund. Conte hat eine so starke innere Heilung erlebt – war innerlich ganz gesundet – es war für ihn der perfekte Moment um zu Gott zu gehen. Es klingt paradox, aber obwohl sein Körper nicht mehr gesund geworden ist, ist doch seine Seele geheilt worden. Und das ist definitiv wichtiger. Ist unsere Seele krank, haben wir auch an einem gesunden Körper keine rechte Freude.  
Und um ehrlich zu sein – um wirklich zu verzweifeln war keine Zeit. Ich hatte schon Tiefpunkte – Verzweiflungsattacken, aber die Hoffnung und Lebensfreude hat doch bei weitem schwerer gewogen.
 

VOICE: Herzlichen Dank für Ihre Bereitschaft, diese wichtige Lebenserfahrung durch Ihr Buch mit anderen zu teilen. Wir wünschen Ihnen Gottes Segen für  alle weiteren Lebensschritte und besonders auch für Ihr nächstes Buch.



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