Christine von Kessel, Erfurt

Mutter aus Leidenschaft

Die fünffache Mutter nennt zehn Gründe, warum sie gerne ihre Kinder selbst erzieht und nicht berufstätig sein möchte, solange die Kinder sie brauchen.

Christine von Kessel, geb. 1972, verheiratet, 5 Kinder, ist Dipl.-Agraringenieurin, ausgebildete Logopädin und mit Leidenschaft Mutter und Hausfrau. Sie lebt mit ihrer Familie in Erfurt, wo ihr Mann, Silvius von Kessel, Domorganist ist und Honorarprofessor für Orgel an der "Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar".
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Die Vereinbarkeit oder Unvereinbarkeit von Beruf und Familie, die Frühförderung und auch die Schäden durch Krippenbetreuung sind viel diskutierte Fragen. Christine von Kessel nennt zehn Gründe, warum sie zu Hause bleiben will, solange ihre fünf Kinder sie brauchen.

 

1. „Lebe Deinen Traum"

Es war immer mein Traum, einen tollen Mann und fünf Kinder zu haben. Dieser Traum ist Wirklichkeit geworden. Und diesen Traum will ich auch leben. Es gibt für mich nichts – wirklich nichts – Sinnvolleres, als Mutter zu sein mit Leib und Seele. Das erfordert Zeit und füllt mich ganz aus. Da ist kein Platz für einen Job. Zumindest jetzt nicht, solange die Kinder klein sind.

 

2. Weil die Basis für Bildung in der Bindung zur Mutter liegt

Nach zehn Jahren als Mutter bin ich immer stärker davon überzeugt, dass die Kinder am sichersten im Leben stehen, wenn sie in Bezug auf die Präsenz der Mutter „aus dem Vollen" schöpfen konnten und können. Wenn sie die Sicherheit der Anwesenheit der Mutter hatten, befreien sie sich ganz von selbst daraus und werden neugierig auf das Leben und dessen Zusammenhänge. Sie sind wie kleine Forscher und wollen alles entdecken, ohne dass man ihnen Lerninhalte vorsetzt. Sie drängen von innen heraus danach, die Welt zu erforschen. Es ist wunderbar, zu erleben, wie Kinder quasi aus sich heraus Kompetenzen erwerben. [1]

 

3. Weil Sprache – „Muttersprache" – durch die Mutter angestoßen wird

Spracherwerb ist ein vielseitiges Geschehen, das noch nicht abschließend erforscht ist. Dabei spielen sowohl Erbanlagen als auch Umweltfaktoren eine Rolle. Kommunikation – oft ja auch nonverbal, wie wir wissen – funktioniert am besten zwischen Personen, die sich nahe sind. Neueste Forschungen[2] ergaben, dass Babys schon unmittelbar nach der Geburt auf die Stimme der Mutter mit beiden Gehirnhälften reagieren, rechts für Spracherkennung und links für Spracherwerb und motorische Fähigkeiten. Sprach eine andere Person den gleichen Laut wie zuvor die Mutter, reagierten die Babys lediglich mit der rechten Gehirnhälfte. Das beweist, wie entscheidend die Mutter von Anfang an die Sprachentwicklung anstößt.

 

4. Weil ich merke, wie sehr die Kinder Kontinuität und Ruhe brauchen

Gerade in der heutigen hektischen und lauten Welt sind Ruhe, Geborgenheit und Rückzugsmöglichkeiten unabdingbar, um auftanken zu können. Dabei ist kurioserweise eine Chance auf Langeweile ein wichtiger Aspekt zur Entwicklung von Aktivität und Kreativität.

 

5. Weil ich möchte, dass unsere Kinder innere Stabilität entwickeln

Wir wollen keine angepassten Kinder! Dazu muss man manchmal sehr nah an aktuellen Geschehnissen „dran" sein. Kinder erzählen Dinge, die sie aktuell belasten, wenn es für sie passt, nicht dann, wenn ich als Mutter Sprechstunde habe. Wir beide, Mutter und Vater, versuchen, auch Dinge zu beobachten bzw. zu bemerken, die die Kinder vielleicht nicht aussprechen können. Oft betrifft das Themen in der Schule oder Ärger mit Freunden. Ich beobachte relativ viele Tendenzen zu einem sehr unsozialen Umgang miteinander, und da ist es ausgesprochen wichtig, den Kindern an der richtigen Stelle den Rücken zu stärken, damit sie nicht innerlich verzagen und im besten Sinne selbstbewusst werden.

 

6. Weil Vertrauen Zeit zum Wachsen braucht

Ich kann meine Kinder am besten durch das Leben begleiten, wenn ich sie lange und intensiv kennen gelernt und erlebt habe. Vertrauen entsteht durch gemeinsame Erlebnisse, die sich oft spontan ergeben, und die man selten per Knopfdruck herbeiführen kann. Dafür brauche ich Zeit.

 

7. Weil ich die mit den Kindern verbrachte Zeit als „optimale Investition" ansehe

Optimierung ist das große Stichwort unserer Zeit. Alles muss optimiert werden: Zeit, Ressourcen, Output, einfach alles. Im Optimalfall zur Nutzenmaximierung der Gesellschaft. Auch bei dieser Argumentationsart kann „die moderne Hausmutter von heute und morgen" ein Wörtchen mitreden:

1) Ich optimiere die Leistungsbereitschaft und -fähigkeit meiner Kinder, indem ich sie ganz nah begleite, sozusagen den optimalen Input liefere. Damit maximiere ich den Nutzen für die Gesellschaft: Der Staat spart Geld für Therapien - denn viele Kinder kommen schon nach Beginn ihrer Kindergartenkarriere in die „teure Therapiemühle", wie ich aus eigener Erfahrung als Logopädin weiß: Logopädie, Physiotherapie, Ergotherapie auch oft Psychotherapie wegen Verhaltensauffälligkeiten usw.

2) Ich investiere ganz stark und ganz bewusst in die seelische Stabilität meiner Kinder, wie oben im Text beschrieben. Auch davon profitiert wiederum die Volkswirtschaft. Denn ein stabiler Mensch kann – so Gott will – lange in seinem Job bleiben und fällt nicht so schnell durch „Burnout" oder ähnliches aus.

 

8. Weil ich es für mich als wunderbare Chance sehe, mich verändern zu lassen

Oder: Weil ich nichts verpasse

Das Zurückstellen der eigenen Bedürfnisse zugunsten der Familie ist gerade für die moderne Frau eine interessante und vielleicht auch wichtige Erfahrung. Man lernt Dinge, die früher selbstverständlich waren, ganz neu zu schätzen, z.B. die gemeinsamen Stunden zu zweit. Und überhaupt: Zeit ist ein ganz neuer „Genuss-Faktor" im Leben. Ich finde es eine wunderbare Erfahrung, dass man so ein Leben als Mutter leben kann, ohne einem Super-Job hinterher zu rennen, der an jeder Ecke zu warten scheint. Ich bin davon überzeugt, dass ich, wenn die Kinder etwas größer und selbständiger sind, wieder eine Aufgabe finden werde. Welche und wo, das muss ich nicht jetzt schon wissen. „Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird’s wohl machen" (Psalm 37,5). Außerdem kann man eigene Initiativen entfalten, nicht nur Babys wickeln und so langsam verdummen! Ich mache z.B. jeden ersten Sonntag im Monat ein „Café International" nach dem Gottesdienst, sozusagen „open house", für alle Interessierten aus der Gemeinde oder für jeden, der Lust hat. Da treffen sich viele Nationen. Die Kinder spielen miteinander, während auch die Erwachsenen sich besser kennen lernen. Ein Projekt zur Förderung der Integration, das sehr gut angenommen wird.

 

9. Weil es Spaß macht, den Kindern zuzuschauen

Im Eintauchen in die Welt der Kinder gibt es diese zahleichen Momente tiefen Glücks. Kinder sagen und tun so kostbare Dinge, sie sind der Wahrheit so oft auf der Spur. In oben genanntem Vortrag von Wolfgang Bergmann sagt der Referent, und das kann ich nur unterschreiben: „...Kinder sind das größte Glücksversprechen!"

 

10. Und natürlich: Einfach, weil ich sie liebe

Ich glaube: Liebe im Überfluss ist die beste Grundlage für ein freies und glückliches Leben.

 

Schlussbemerkung

Wenn ich hier schreibe, tue ich das in aller Unvollkommenheit. Es ist ein Versuch, Werbung für die Mütter zu machen, die ihre Kinder zu Hause erziehen wollen, was viel zu selten geschieht. Dass es immer Situationen gibt, die andere Modelle erfordern, ist selbstverständlich. Natürlich gibt es Frauen, die schon aus finanziellen Gründen arbeiten müssen – ich ziehe an dieser Stelle den Hut vor allen Alleinerziehenden! Da VOICE eine christliche Zeitung ist, glaube ich allerdings an dieser Stelle sagen zu dürfen, dass es Gott wahrscheinlich ziemlich egal ist, ob wir Karriere machen oder nicht. ER könnte uns später allerdings fragen: „...und was habt ihr mit euren Kindern gemacht?"



[1] Zu diesem Thema empfehle ich den Vortrag „Drama des modernen Kindes" im Internet unter www-familie-ist-zukunft.de

 

[2] FOCUS online, Artikel: „Mama ist die beste Sprachschule"

 



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