Interview mit Harald Eckert, München

Gebet für den Frieden Jerusalems

Der Herausgeber der Zeitung „Israel heute“ nimmt Stellung zur aktuellen Situation im Nahen Osten.



Harald Eckert, geb. 1960, verheiratet, vier Kinder, studierte Betriebswirtschaft (FH) und arbeitet seit 1985 als Leiter und Geschäftsführer verschiedener freikirchlicher Organisationen. 1996 Leiter der „Christlichen Freunde Israels e.V.“, seit 2005 bei „Christen an der Seite Israels“, Autor des Buches „Gottes Weg mit Israel“ (Asaph-Verlag, Lüdenscheid) und Herausgeber der Zeitung „Israel heute“. M.A. theol. der „Akademie für Leiterschaft“ in Ditzingen. Er war der Gründungs-Chefredakteur der VOICE und ist ein gefragter Referent.
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VOICE: Immer wieder drehen sich die Nachrichten um den Nahen Osten. Was ist das Besondere an dieser Region?

 
Harald Eckert: Historisch gesehen ist diese Region die Wiege der drei großen und einzigen monotheistischen Religionen Judentum, Christentum und Islam. Biblisch gesehen liegt im Nahen Osten in der Region des heutigen Israel das Heilige Land, das Gott den Juden als „ewiges Erbe“ (s. Psalm 105, 7-11) anvertraut hat. Politisch gesehen ist es die Stelle, an der eine vom jüdisch-christlichen Weltbild geprägte Gesellschaft (Israel) mit einer Reihe vom Islam geprägten nicht-demokratischen Gesellschaften (den engeren und weiteren Nachbarvölkern Israels) besonders heftig auf einander prallen. Alles zusammen gesehen bieten diese Konstellationen eine Menge Sprengstoff und sorgen deshalb für überdurchschnittliche Aufmerksamkeit.
 
VOICE: Bei allen Reisen von Politikern in den Nahen Osten ist der Friede dort ein Hauptthema. Kann eine Zwei-Staaten-Lösung wirklich Frieden bringen?
 
Harald Eckert: Wenn wir diese Frage rein politisch betrachten, könnte die Zwei-Staaten-Lösung unter bestimmten Voraussetzungen durchaus Frieden bringen. Die wichtigste Voraussetzung wäre, dass beide Seiten tatsächlich eine friedliche Koexistenz wollen. In den letzten 15 Jahren hat sich die Mehrheit der Israelis für diese Möglichkeit geöffnet und die meisten Premierminister Israels haben weitgehende Zugeständnisse gemacht, z.B. Rückzug aus dem Libanon, Rückzug aus Gaza.
Die traurige, aber wahre Realität ist jedoch, dass die palästinensische Seite im Kern bis heute nicht zu einem echten Frieden mit der aufrichtigen Vision von einer dauerhaften Koexistenz bereit ist. Machmud Abbas weigert sich bis heute, Israel als souveränen Staat anzuerkennen. In arabischer Sprache verkündet er die Gültigkeit des sogenannten „Stufenplanes“, d.h. die vollständige Vernichtung Israels in mehreren Stufen. Fatah und Hamas unterscheiden sich in der Strategie, nicht aber in der Zielsetzung der Vernichtung Israels. Ein weiterer Beleg dafür ist, dass es weder in den von Abbas kontrollierten Kindergärten, noch im offiziellen Fernsehen der PLO oder in den Schulbüchern irgendwelche Hinweise auf eine Erziehung zum Frieden oder einer friedlichen Koexistenz zweier Staaten gibt. Terroristen werden nach wie vor als Volkshelden stilisiert. In allen offiziellen Insignien der PLO ist immer noch die Karte von ganz Israel als palästinensisches Hoheitsgebiet eingezeichnet.
Auch im sogenannten Westjordanland ist fast die Hälfte der Bevölkerung Hamas-freundlich, also besonders radikal-islamisch eingestellt. Wer garantiert, dass nicht nach der Einführung einer Zweistaatenlösung unter Abbas z.B. durch einen Putsch oder Bürgerkrieg mit Machtübernahme der Hamas Gaza-Verhältnisse einkehren? All dies und noch manches mehr spricht dafür, dass die Mindestvoraussetzungen für eine friedliche, dauerhafte Koexistenz eines jüdischen und eines palästinensischen Staates, bei weitem nicht gegeben sind. Soweit meine politische Einschätzung.
 
VOICE: Gibt Ihnen denn die historische Entwicklung eine Begründung für Ihre Meinung?
 
Harald Eckert: Die historische Sichtweise bestätigt leider dieses traurige Bild. Genau genommen sind ja schon zwei Teilungspläne vorgenommen worden: Im Jahr 1917 hat Großbritannien vom Völkerbund das Mandat zur Verwaltung des damaligen Palästinas bekommen. Großbritannien hat seinerseits am Ende des ersten Weltkrieges (1917, Balfour-Deklaration) den Juden versprochen, ihnen zum Ende der Mandatszeit dieses Gebiet mit dem Ziel der Schaffung einer jüdischen Heimstätte zu übergeben. Dafür haben jüdische Wissenschaftler, Finanziers und Soldaten Großbritannien gegen Ende des ersten Weltkrieges – manche Historiker sagen: kriegsentscheidend – geholfen. Doch schon 1922 hat eine andere britische Regierung dieses Versprechen gebrochen und durch die Aufteilung Palästinas in ein Restpalästina (27%) und Transjordanien (dem heutigen Jordanien, 73%) de facto eine Zwei-Staatenlösung geschaffen. Doch trotzdem ist traurige Tatsache, dass Jordanien bis zum Friedensschluss im Jahr 1994 ein Todfeind Israels war.
Die zweite Zwei-Staatenlösung wurde von den Vereinten Nationen in der Resolution 181 vom 29. November 1947 eingeführt im Zusammenhang mit dem Grundsatzbeschluss der Gründung des Staates Israels. Das jüdische Volk sollte nicht etwa die verbliebenen 27% des britischen Mandatsgebietes Palästina bekommen – dieses Gebiet wurde weiter zerteilt und etwa zu gleichen Teilen der jüdischen und der arabischen Seite zugeteilt. Angedacht war eine Zwei-Staaten-Lösung in einer gemeinsamen Wirtschaftsgemeinschaft mit offenen Grenzen. Die jüdischen Repräsentanten stimmten dieser Resolution zu. Die arabischen Staaten lehnten ab und drohten mit Krieg, der dann auch unmittelbar nach der Staatsgründung Israels am 14. Mai 1948 losbrach.
Die Radikalisierung der arabischen Bevölkerung ist seit 1948 deutlich stärker geworden. Es gibt also keine historischen Gründe, die den Glauben bestärken könnten, eine Zwei-Staaten-Lösung, die schon zwei Mal nicht funktioniert hat, würde heute funktionieren.
 
VOICE: In dem alttestamentlichen Propheten Sacharja, Kapitel 12, Vers 3 steht, dass Jerusalem zum „Laststein“, zur Belastung für alle Völker werden wird. Ist diese Prophetie durch die Jahrhunderte währende Judenverfolgung erfüllt oder sind weitere Maßnahmen gegen die Juden zu erwarten?
 
Harald Eckert: Mit dem Verweis auf die Propheten Israels kommen wir nur zur biblischen Sichtweise. Die Bibel sieht voraus, dass die Feindschaft von Völkern gegen Israel im Verlauf der Zeit eher zunimmt als abnimmt. Einen endgültigen Frieden wird erst das Kommen des „Friedefürsten“, des Messias und Königs Israels bringen. Wir Christen glauben, dass damit Jesus gemeint ist.
Diese Sicht bestätigt die historische und die gegenwärtige politische Sicht, dass dieser Konflikt auf Dauer nicht mit den üblichen Mitteln der Diplomatie lösbar ist. Sie erklärt auch den eigentlichen Grund: Ein unstillbarer, irrationaler Hass der Nachbarvölker auf das jüdische Jerusalem und das jüdische Israel (Sach. 12,2). Dieser Hass springt irgendwann auf die gesamte Völkerfamilie über (Sach. 12,3). Der moderne Begriff für diesen Hass ist Antisemitismus. Ein Antisemitismus, der die Völkerwelt erfasst und in einem multinationalen militärischen Aufmarsch gegen Jerusalem gipfelt (Sach. 12,9). Der Prophet Joel spricht in diesem Zusammenhang von einem „Tal der Entscheidung“ für die Nationen (Joel 4,14).
In anderen Worten: Alle Nationen werden sich entscheiden müssen, ob sie sich diesen antisemitischen Aggressionen anschließen oder ob sie aus der Geschichte, gerade der Geschichte des 20. Jahrhunderts, gelernt haben und soweit geläutert sind, dass sie dieser Versuchung widerstehen können. Diese Hoffnung auf Läuterung ist in ganz besonderer Weise mein persönliches Gebet und meine Hoffnung für Deutschland. Mir scheint: Das heutige Deutschland steht diesbezüglich auf der Kippe. Ich hoffe jedoch sehr, dass die Christen in Deutschland rechtzeitig aufwachen und als „Salz und Licht“ dahingehend wirksam werden, dass der Antisemitismus (auch getarnt im Gewand des Antiisraelismus) nicht wieder zu einer gesellschaftsprägenden Kraft wird.
 
VOICE: Haben wir als Christen also eine besondere Verantwortung, für Israel zu beten?
 
Harald Eckert: Ja, ich meine, dass wir Christen fortwährend „für den Frieden Jerusalems“ beten sollten und auch für die Menschen, die sich aktiv für einen Frieden im Nahen Osten einsetzen. Aus meiner Sicht ist das kein Widerspruch, frei nach Luther, der heute noch einen Apfelbaum pflanzen würde, auch wenn er wüsste, dass morgen die Welt unterginge.
 
VOICE: Herzlichen Dank für das Gespräch.


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