Interview mit Nationalrat Werner Messmer, Kradolf

Hilft der Glaube in Krisenzeiten?

Der Nationalrat im Schweizer Parlament und Präsident des Schweizer Baumeisterverbandes beantwortet aktuelle Fragen zu authentischem Leben als Christ.



Werner Messmer, geb. 1945, verheiratet und Vater von 4 Kindern, ist diplomierter Baumeister. Heute tätig als Nationalrat im Schweizer Parlament für die FDP und Präsident des Schweizerischen Baumeisterverbandes. Vorstandsmitglied der drei wichtigsten Wirtschaftsverbände der Schweiz. In der Schweizer Armee kommandierte er als Oberst ein Regiment. Seine Hobbys sind Blasmusik, Bergwandern und Radfahren. Dazu präsidiert er der Evangeliumsrundfunk (ERF) Schweiz.
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VOICE: Die von Amerika ausgelöste und anfänglich auch auf USA beschränkte Finanzkrise hat inzwischen die ganze Welt erfasst. Macht es da einen Unterschied, ob ein Unternehmer Christ ist oder nicht?
 
Werner Messmer: Nein, absolut nicht. Christen, darunter verstehe ich Menschen, die eine persönliche Beziehung zum Gott der Bibel und seinem Sohn Jesus Christus pflegen, leben nicht isoliert in einer heilen Welt. Ihre Firmen sind ebenso den Gesetzen und Entwicklungen der freien Marktwirtschaft, so auch der Konjunkturentwicklung ausgesetzt, wie alle anderen. Darum sind Firmen von Christen ebenfalls je nach Branche massiv von der sich immer noch verstärkenden Krise betroffen. Ein Christ hat aber insofern eine bessere Ausgangslage, dass er als Person nicht verzweifeln muss, denn gerade in schweren Zeiten erlebt er die tragende Güte, die schützende Hand, die Kraft spendende Gegenwart unseres Herrn Jesus persönlich und intensiv.
 
VOICE: Obwohl Sie die Wichtigkeit einer gesunden Wirtschaft nicht anzweifeln, haben Sie beim Christlichen Führungskräftekongress in Düsseldorf gesagt: „Wirtschaft alleine ist nicht alles.“ Was brauchen wir außerdem?
 
Werner Messmer: Die Erkenntnis ist wichtig, dass ohne eine florierende Wirtschaft eine Gesellschaft krank wird. Die wirtschaftliche Kraft einer Nation bestimmt unseren Lebensstandard, unseren sozialen Ausgleich, unsere Wohnqualität, Mobilität, Bildung, Gesundheit usw. Wer aber seine Befriedigung nur in der Wirtschaft sucht, verliert den Sinn für das Maß. Der Erfolg wird zum Ziel und wo dieses Denken zum alleinigen Maßstab allen Handelns wird, müssen christliche Werte und Menschenwürde abdanken. Erfolg wird zur Sucht, und die Gier nach immer mehr verblendet unseren Verstand.
Darum kann Wirtschaft allein nicht alles sein, sie erfüllt und befriedigt nicht das ganze Leben. Wir Menschen entwickeln eben auch Bedürfnisse nach Sicherheit, Solidarität, Gerechtigkeit, Menschlichkeit und Vertrauen. Auch diesen immateriellen Werten, aber eben menschlichen Grundbedürfnissen, hat unsere Wirtschaft, beziehungsweise haben deren Führer Rechnung zu tragen. Ein glaubender Christ erhält von Gott persönlich Ethik und Werte eingepflanzt, die dafür sorgen, dass er nicht in die Falle von Gier und blindem Egoismus tappen muss, dass Erfolg nicht zur Sucht wird.
 
VOICE: Die Medien und eine Gesellschaft der Beliebigkeit sehen das weitgehend anders: Sie empfinden wertorientierte Christen eher als rückwärtsgewandt und brandmarken sie immer offener als „Fundamentalisten“. Wie können sich Christen für biblische Werte einsetzen?
 
Werner Messmer: Christen, die mehr reden als leben, werden wenig bewegen. Damit meine ich, dass sich Christen zuerst in der Welt, an Ihrem Arbeitsplatz, in der Politik, in der Familie oder wo auch immer, bewähren sollen. Glaubwürdigkeit und Vertrauen in meine Person wird dort aufgebaut, wo und wie ich mich als Teil der Wirtschaft, der Politik oder der Gesellschaft einbringe. Das verstehe ich unter „Leben“, weil ich auf diesem Fundament meinen Glauben glaubwürdig zu leben beginne. Jetzt wird es von mir akzeptiert, dass ich nicht zu allem Ja sage, dass ich mich von gewissen Dingen distanziere, dass ich meine Werte und Ethik aus der Bibel hole. Mein Leben, mein Verhalten beginnt zu sprechen und biblische Werte werden sichtbar. Sich für biblische Werte einzusetzen bedeutet immer, sie zu leben.
Ich musste selber erfahren, dass das erst dann funktioniert, wenn Glaube nicht mehr Leistung ist, sondern absolutes Vertrauen auf Gott. Ich habe mein Leben nicht mit seiner Hilfe zu meistern, sondern er meistert es, wenn ich in ihm bleibe und ihm vertraue.
 
VOICE: Haben Sie eine Empfehlung, wie Menschen, die persönlich oder beruflich in eine Krise geraten, darin ihre Chancen erkennen können?
 
Werner Messmer: Die Bibel sagt uns, dass Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen. Gott wirbt also um uns. Er sucht uns, er will uns begegnen. Er spricht uns an in der Natur, durch andere Menschen, in Veranstaltungen, vielleicht aber auch durch Krankheit oder sogar Tod in der Familie, oder eben auch durch wirtschaftliche Krisen. Krisen verunsichern, machen Angst, führen in Verzweiflung, rauben den Schlaf, wir suchen Halt. Gott bietet uns diesen Halt an. Im Johannesevangelium 3,16 lesen wir, was die Erkenntnis der Wahrheit ist, nämlich, dass alle die an Jesus Christus glauben, nicht verloren gehen, sondern ewiges Leben bekommen. Diese Gewissheit, zu wissen, was mit mir in Zukunft geschieht, was nach dem Tod kommt, hat mich gelehrt, dass es bei allen Herausforderungen in Politik und Wirtschaft nicht um die Ehre meiner Person gehen muss, nicht um meinen Erfolg; dass Krisen vieles zerstören können, nicht aber mein Leben, meine Zuversicht, meinen Glaube.
Die Krise kann mein Unternehmen ruinieren, nicht aber mich als Person. Krisen können darum Chancen sein, die Wahrheit im biblischen Sinn zu erkennen.
Dieser persönliche Glaube hat mich befreit vom Druck, besser sein zu müssen als andere. Natürlich freue ich mich über jeden Erfolg, er motiviert, aber er ist nicht mehr Voraussetzung dafür, dass ich glücklich und zufrieden bin. Diese Befreiung zu erleben ist gewaltig.
 
VOICE: Herzlichen Dank!


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