Thomas Giudici, Basel

Zu wenig Geld haben wir immer genug

Was sagt ein Wirtschaftswissenschaftler, dessen Lebensgrundlage das Wort Gottes ist, zum Umgang mit Geld in der derzeitigen Krise?



Dr. rer. pol. Thomas Giudici, geb. 1963, Studium der Wirtschaftswissenschaften, 1992 zum Finanzchef des Kantons Basel-Stadt berufen, seit 1996 Unternehmer, Berater, Trainer und Referent v.a. zu wirtschaftsethischen Themen. Zusammen mit dem Theologen Wolfgang Simson schrieb er das Buch ?Der Preis des Geldes - Wege zur finanziellen Freiheit? (Brendow 2005) und gibt auch einen monatlich erscheinenden Newsletter zum Thema heraus: «Fortune Fax - Anstössiges zu Geld & Glück» (www.giudici-consulting.ch). (www.fortune-fax.net).
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Wo ich hinkomme, mit wem ich spreche, überall höre ich: das Geld ist knapp! Und das, obwohl die Politiker in den letzten Monaten die Wirtschaft mit Geld geradezu überfluten. Besonders erstaunt mich, dass diese Geldknappheit christliche Kreise ebenfalls sehr stark trifft. In meinen Augen ein totaler Widerspruch zu den Aussagen der Bibel, wonach wir uns wegen alltäglicher Dinge wie Essen, Trinken und Kleidung nicht sorgen sollen, weil unser Vater im Himmel genau weiß, was wir benötigen. Da frage ich mich: Was ist schief gelaufen und vor allem, was ist zu tun?
 
Wie viel Geld ist genug?
Das Problem des knappen Geldes ist einfach zu lösen, denn wir haben nur zwei Handlungsmöglichkeiten: erstens mehr Geld verdienen und / oder zweitens weniger ausgeben. Im Normalfall ist die erste Möglichkeit nicht einfach zu realisieren. Viele können ihre Einnahmen nicht steigern. Und aus meiner Sicht empfiehlt es sich für viele Menschen auch nicht, noch mehr zu arbeiten, um mehr zu verdienen, denn sie haben bereits heute zu wenig Zeit für Erholung, Familie, Beziehungen oder ehrenamtliche Tätigkeiten.
 
Ist mehr immer besser?
Somit bleibt also nur weniger auszugeben. Dazu müssen wir zunächst folgende Fragen beantworten: Welche Bedürfnisse habe ich, und wie viel Geld brauche ich, um meine Bedürfnisse zu befriedigen? Es gilt festzustellen, dass es einen großen Unterschied gibt, zwischen dem, was wir benötigen und dem was wir für nötig halten. Mit Sicherheit erachten wir in den westlichen Wohl­stands­gesell­schaften mehr für nötig, als tat­säch­lich (lebens)notwendig ist. Dies liegt daran, dass wir seit dem ersten Saugen an Mutters Brust ununterbrochen und auf tausend verschiedene Arten eine Botschaft hören: Mehr ist immer besser! Und diese Botschaft fällt auf guten Boden, denn in unseren Herzen sind Habsucht und Gier tief verwurzelt. Wir wollen immer mehr! So sind wir bereit, viel zu leisten, um uns viel leisten zu können. Und wenn wir uns etwas nicht leisten können, steht ein Heer von Banken, Leasing- und Kreditkarten­gesellschaften bereit, um uns unsere Wünsche dennoch zu erfüllen. Die Schuldenstatistiken belegen das eindrücklich.
 
In der Mammon-Falle
Und so beginnt der Teufelskreis: Wir werden ständig getrieben, mehr Geld zu verdienen. Geldverdienen ist mit Mühsal, Ärger, Unfreiheit und einer Vielzahl von Opfern in Form von Lebenszeit, Energie, Verzicht und Belastung der Gesundheit verbunden. Es ist darum nicht überraschend, dass wir viel konsumieren - oder eben kompensieren -, denn schließlich müssen wir uns trotz der mühseligen Arbeit bei Laune halten, „man gönnt sich ja sonst nichts“. Das ist problematisch, denn es funktioniert überhaupt nicht. Es beginnt damit, dass wir uns gar nicht alles leisten können, was wir uns - beeinflusst durch Werbung, Vergleich und Neid - wünschen. Darum werden wir trotz des steigenden Wohlstands zunehmend unzufriedener. Folglich versuchen wir durch Arbeit, Lotto, illegale Geschäfte, Kredite und ähnliches, mehr Geld zu bekommen, um doch noch mehr konsumieren zu können. Dadurch wird das Leben immer einseitiger auf das Geld ausgerichtet. Die innere Leere und die Unfreiheit nehmen weiter zu. Der Kompensations-Arbeiten-Schulden-Konsum-Teufelskreis beginnt von vorne.
 
Wie sieht es bei Christen aus?
So dreht sich bei den meisten alles ums Geld. Die lebenswichtigen Entscheidungen werden - oft unbewusst - aus der Geld-Perspektive entschieden: Welchen Beruf man ergreift, wen man heiratet, ob man teilzeitlich in einem diakonischen Dienst mitarbeitet oder vollzeitlich in die Mission geht. Alles hängt vom Geld ab. Das Geld wird so zum Herrn im Leben. Das ist bei Christen, die eigentlich einem anderen Herrn dienen wollen und sollen, dramatisch, denn „niemand kann zwei Herren dienen: entweder er wird den einen hassen und den andern lieben, oder er wird an dem einen hängen und den andern verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“ (Matthäus 6,24).
Deshalb werden wir vom Alten bis ins Neue Testament vor Mammon gewarnt, der uns einerseits durch falsche Geldversprechungen (Macht, Freiheit, Glück) und andererseits durch unnötige Geldsorgen (zu wenig, zu viel, zu unsicher) vor sich in die Knie zwingen will. Mammon ist ein tödlicher Konkurrent zu Gott im Kampf um unser Herz und unsere Lebenszeit. Aber er ist kein Gott, sondern ein Fürst dieser Welt, ein Götze, der viele Opfer fordert und seine Heilsversprechen nicht hält.
 
Wege zur finanziellen Freiheit
Können wir siegreich aus diesem Kampf hervorgehen? Was sind die Wege in die finanzielle Freiheit?
 
  1. Ändern der Einstellung zum Geld. „Stellt euch nicht dieser Welt gleich, sondern ändert euch durch Erneuerung eures Denkens, damit ihr prüfen könnt, was Gottes Wille ist“. Es reicht bei Weitem nicht, fromm zu reden oder - immerhin - fromm zu handeln, sondern wir müssen auch fromm denken. Wir müssen die Lügen Mammons in unseren Herzen und Köpfen aktiv, laufend und radikal durch die biblischen Wahrheiten ersetzen: Gott versorgt uns mit allem, was wir brauchen. Wir brauchen nicht so viel, wie wir meinen. Mehr ist nicht immer besser. Geld macht nicht glücklich. Geld macht nicht frei. Jesus macht frei.
  2. Zuerst nach dem Reich Gottes trachten. Gott hat uns natürliche und erworbene Gaben geschenkt, die er gerne durch seine geistlichen Gaben ergänzt. Er will, dass wir alles für den „Bau seines Reiches“ einsetzen. Er will uns in seine Berufung führen: „Komm, folge mir nach“. Dann werden wir Arbeiter Gottes und können berechtigt von unserem Arbeitgeber erwarten, dass er uns alles gibt, was wir für die Erfüllung des Auftrages brauchen.
  3. Gemeinschaftlich leben: Das gemeinschaftliche Leben ist (meistens) befriedi­gender als das einsame und auch wesentlich günstiger. Die Entwicklung unserer Lebensstile geht aber genau in die andere, die teurere Richtung: allein bleiben, allein wohnen, allein sterben. Dabei würden durch gemeinsames Leben, durch Arbeits­teilung – gerade auch in der Familien- und Kinderarbeit –  durch gemeinsames Nutzen von teuren Gebrauchsgütern wie z.B. Autos, Homecinema-Anlagen, Werk­zeugen und Waschmaschinen (und etwas weniger Quadratmeter Wohnfläche pro Person), unsere Lebenskosten massiv sinken. 
  4. Leben nach dem Bedürfnisprinzip: Auch wenn sie mir immer wieder gestellt wird, ist die Frage danach, wie viel wir geben müssen (Stichwort «Zehnter»), dennoch irrelevant, einfach darum, weil sie im Neuen Testament klar beantwortet ist: alles! Wir sollen mit allem was wir sind und haben unserem Erlöser und Herrn gehören und nachfolgen. Entsprechend gilt auch ein neues Finanzprinzip: das Bedürfnis­prinzip. Wir müssen nicht mehr fragen, wie viel wir abgeben, sondern wie viel wir behalten. Alles Geld und alle Zeit, die wir nicht lebensnotwendig brauchen, sollen wir für den Bau des Reiches Gottes einsetzen - und je weniger wir für uns brauchen, desto mehr bleibt für IHN. Das ist eine viel größere, persönliche Herausforderung - ich würde sagen: typisch neutestamentlich.

 



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