Wolf-Dieter Hartmann, Kitzingen

Ist die Beziehung noch zu retten?

Jede 2. Ehe wird geschieden. Ist der Zerbruch von Beziehungen normal? Der Diplom-Psychologe und Seelsorger zeigt, welche Mechanismen Beziehungen belasten und wie man ihnen begegnet.



Wolf-Dieter Hartmann, geb. 1946, verheiratet, 2 Kinder. Er leitet bei der Ignis-Akademie für christliche Psychologie den Fachbereich ?Gemeinde und Seelsorge?.
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Die Scheidungsrate liegt in Deutschland bei über 50 % im Jahr. Die Anzahl der zerbrochenen Beziehungen ohne Trauschein ist hierbei nicht erfasst. Ist der Zerbruch von Beziehungen normal? Unausweichlich? Etwas, was einfach passiert, wo wir nur die Rolle von Statisten haben?
 
Schauen wir uns zunächst an, wie die meisten Beziehungen entstehen:
1.    Mann und Frau treffen einander; sie fühlen sich zu einander hingezogen
2.    Sie suchen die Nähe des anderen; Ist man nicht zusammen, sind die Gedanken doch beim anderen.
3.    Es gibt eine Suchbewegung, so viel Zeit wie möglich miteinander zu verbringen. Am liebsten möchte man immer zusammen sein.
4.    Zusammenziehen in eine gemeinsame Wohnung; Genießen und entdecken.
5.    Der Alltag zieht ein; Gewohnheiten bilden sich aus
6.    Neben den attraktiven Anteilen treten unangenehme Eigenschaften und Haltungen in den Vordergrund.
7.    Dissonanzen, Ärger, Frust, Angst, Abwehr bauen sich auf. Man versucht sich vor dem Schmerz zu schützen. Bildhaft baut jeder an seinen Schutzmauern, die im Laufe der Zeit zu ausgewachsenen Festungen werden können. Jeder bewohnt seine Burg. Eine Kontaktaufnahme ist fast nicht mehr möglich, weil jede Ansprache als Angriff wahrgenommen wird. Dieser Zustand bedeutet im Miteinander der beiden „Partner“ einen Zustand der Ferne, des Unwohlseins, der Unsicherheit bis hin zur Feindschaft. Man sucht zunehmend nach Möglichkeiten der Abwesenheit von zu Hause und nach anderen Menschen, bei denen man Zuwendung, Nähe, Verstandenwerden erfährt.
 
Ergibt sich in dieser Situation keine Hoffnung auf eine positive Änderung der alten Beziehung, wird der Wunsch nach Beendigung dieses Zustands immer stärker. Eine neue Begegnung mit einem attraktiven Menschen kann jetzt Auslöser für die Trennung sein.
 
Gewinner und Verlierer
Ein Muster, das in solchen Situationen immer wieder auftaucht, lässt sich mit dem Begriff Destruktionsschaukel beschreiben.
 
 
 
 
 
In der Rolle des Täters werden wir von Gedanken bestimmt wie:
Das hab ich schon von Anfang an gewusst. Mit diesem Menschen konnte es auch nichts werden. Wenn der Andere anders wäre. Es ist vorbei.
Wenn ich mich verletzt fühle, kommen eventuell noch andere Gedanken dazu:
Das lass ich mir nicht bieten, dem wird ich’s zeigen, dem Schwein!
 
Die Rolle des Opfers wird eher von folgenden Gedanken bestimmt:
Ich habe nie Glück in der Liebe, ich werde nicht verstanden. Ich fühle mich verlassen, verletzt, verraten.
 
Eine blöde Rolle. Deshalb kippt die Schaukel oft auf die andere Seite: Man wird ein beißender Hund. Wenn du mich so verletzt, werde ich dir´s zeigen. Das wirst du büßen. Dieser Ablauf kann in einer Person selbst, aber auch zwischen zwei Personen ablaufen.
Hier geht es dann um Gewinnen oder Verlieren. Viele Schlachten spielen sich – auch mit Hilfe von Anwälten – auf dieser Ebene ab. Zurück bleiben immer nur Verlierer. Wenn Kinder zu einer Beziehung gehören, sind sie immer die Hauptverlierer.
 
Das muss so nicht sein.
Wir sind nicht bestimmt, Verlierer zu sein. Wir müssen auch nicht zum beißenden Hund werden, um die Illusion des Gewinners zu erlangen. Unsere Bestimmung ist es, Gestalter zu sein. Dazu brauchen wir die Gewissheit, dass es einen Ausweg gibt, dass wir inmitten von ausweglosen Situationen einen Halt haben, der uns Kraft und Orientierung gibt.
Wir brauchen eine Quelle, aus der wir schöpfen können, die uns bevollmächtigt eigenständige Entscheidungen treffen zu können, unabhängig von Gedanken, Aussagen, die uns zu Opfern oder beißenden Hunden machen wollen.
 
Entscheidung für „Abrüstung“
Zur Identität des Gestalters will ich ein Beispiel erzählen:
Eine Frau ist in ihrer Ehe todunglücklich. Ihr Mann gibt ihr nicht die Zuwendung und Anerkennung, die sie sich wünscht. Im Gegenteil. Er verbringt viel Zeit außer Haus. Er wendet sich anderen Frauen zu. Schließlich kommt sie an den Punkt, wo sie nicht mehr kann und nicht mehr will.
Sie spricht dieses Problem mit ihrem Seelsorger durch und dieser sagt ihr, dass sie zwei Möglichkeiten hat: Sie kann sich von ihrem Mann trennen oder sie kann sich entscheiden ihn so zu lieben, wie er ist.
Sie entscheidet sich für die Liebe.
Ist das überhaupt möglich? Sich für die Liebe zu entscheiden?? In einem Zustand, wo man über Jahre eine Festung errichtet hat, um sich vor Verletzungen zu schützen?
 
Es ist möglich!!
Diese Frau hat sich für eine unilaterale Abrüstung entschieden. Einseitig und bedingungslos hat sie ihrem Mann vergeben, hat alle Forderungen losgelassen, hat ihre Schutzburg hinter sich gelassen und ist eingetreten in den Raum der bedingungslosen Liebe.
Wie ist das möglich?
Sie hat das Geschenk Gottes angenommen, sich von ihm lieben zu lassen und dieses Geschenk hat ihr die Kraft zur bedingungslosen Liebe gegeben.
 
Happy End
Wie die Geschichte ausgegangen ist? Nach einem Jahr hat der Mann über Zinnen seiner Schutzmauern geschaut und hat bemerkt: Sie hat sich verändert. Nach drei Jahren hat er ihr zum ersten Mal nach 35 Ehejahren etwas zu Weihnachten geschenkt. Nach zehn Jahren hat die Ehe eine vollkommene Wandlung erlebt, so dass sie ihren Lebensabend versöhnt erleben konnten.


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