Interview mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos, Berlin

Globalisierung

Klare Antworten auf häufig gestellte Fragen in Zusammenhang mit der Globalisierung.



Michael Glos, geb. 1944, verheiratet, 2 Kinder, Müllermeister, Inhaber eines Getreidemühlen- und Landwirtschaftsbetriebes, MdB seit 1976, seit Nov. 2005 Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. www.bmwi.de
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VOICE: Veränderungen wecken oft Ängste. Beim Treffen der EU-Wirtschaftsminister in Würzburg haben Sie, Herr Minister, betont, dass die EU-Osterweiterung für Deutschland ein Gewinn ist. Inwiefern?
 
Minister Glos: Der freie Handel sichert Einkommen und Arbeitsplätze in unserem Land. Das müssen wir uns immer wieder in Erinnerung rufen. Deutschland hat von der EU-Erweiterung um die 12 neuen Mitgliedsstaaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa wirtschaftlich profitiert. Der positive Effekt dieser fünften Erweiterungsrunde liegt einer Studie zufolge für Deutschland in einer Größenordnung von etwa 1 % des Bruttoinlandsprodukts.
Durch die Liberalisierung der Handelsströme seit den 90er Jahren kann die deutsche Wirtschaft rund 103,5 Millionen Verbraucher zusätzlich erreichen. Die Liberalisierung hat aber nicht nur neue Absatzmärkte für die Unternehmen geschaffen, sie führte auch zu attraktiven Beschaffungsmärkten. Auch von diesen profitieren wir – sowohl als Konsumenten als auch als Produzenten. Die internationale Arbeitsteilung sichert in Deutschland Arbeitsplätze – auch wenn es in Einzelfällen zu Verlagerungen der Produktion nach Osteuropa kommt.
Auch nach den formalen Beitritten dieser Länder zur EU sind die Außenhandelspotenziale für Deutschland meiner Ansicht nach auch auf längere Sicht noch nicht ausgeschöpft. Der deutsche Außenhandel hat sich mit den neuen EU-Mitgliedsstaaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt. Gerade mit Blick auf die Aufhol- und Konvergenzprozesse in den neuen Mitgliedstaaten rechne ich weiterhin mit einem kräftigen Wachstum des deutschen Handelsvolumens mit diesen Ländern.

VOICE: Auch die Globalisierung erscheint manchen bedrohlich. Wo sehen Sie Vorteile für Europa?
 
Minister Glos: Die globalen Außenhandels- und Kapitalverflechtungen wachsen seit Jahren kontinuierlich. Dieser Prozess wird vorangetrieben von der Integration von Schwellenländern wie China und Indien in die Weltwirtschaft, der Liberalisierung von Handel und Kapitalströmen sowie den gewaltigen Fortschritten in der Kommunikationstechnologie und im Transportsektor.
Diese Veränderungen bringen Europa zweifellos viele Vorteile: Konsumenten profitieren von einem vielfältigeren Angebot an Gütern und Dienstleistungen, niedrigeren Preisen und einer dadurch höheren Kaufkraft; Unternehmen erschließen neue Märkte, Produktivitäts- und Effizienzfortschritte beschleunigen sich aufgrund des intensiveren Wettbewerbs.
Aus der Globalisierung ergeben sich natürlich auch Herausforderungen. Diese müssen wir beherzt angehen. Dazu gehört, dass wir  auf Zukunftsbranchen setzen, in denen wir im Vergleich zu anderen Standorten unsere Stärken ausspielen können. Die Wirtschaftspolitik in Deutschland und Europa muss diesen Prozess aktiv begleiten und vor allem Innovation und Bildung, Bürokratieabbau und die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes in den Vordergrund stellen.
 
VOICE: Können mittelständische Unternehmen im globalen Wettbewerb mithalten?
 
Minister Glos:  Mittelständische Unternehmen zeichnen sich traditionell durch ein besonders hohes Maß an Eigeninitiative und Eigenverantwortung, Flexibilität, Weltoffenheit und Innovationsfreude aus. Das sind genau die Voraussetzungen, die unser Land braucht, um auch in Zukunft im weltweiten Wettbewerb bestehen zu können. Der Wettbewerb ist zwar im Zuge der Globalisierung härter geworden, und der Anpassungsdruck ist gestiegen. Doch die überwiegende Zahl der mittelständischen Unternehmen hat ihre Hausaufgaben erfolgreich erledigt und ihre Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessert.
Die Zahl der Exportunternehmen - insbesondere der kleinen Unternehmen, die erstmals auf ausländischen Märkten aktiv wurden - ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch hinsichtlich der Exportumsätze waren bei den kleinen und mittleren Unternehmen überdurchschnittlich hohe Zuwächse zu verzeichnen. Damit hat sich in den vergangenen Jahren die internationale Ausrichtung des Mittelstandes deutlich verstärkt. Der Mittelstand ist somit nicht nur das Rückgrat der deutschen Wirtschaft, sondern auch der deutschen Exportwirtschaft. Die Bundesregierung unterstützt diese Entwicklung mit ihrem außenwirtschaftlichen Instrumentarium. Wir haben es noch stärker auf mittelständische Unternehmen fokussiert. Dazu gehört zum Beispiel der weitere Ausbau der Auslandshandelskammern in Zusammenarbeit mit der deutschen Wirt­schaft, die Verbesserung der unternehmensorientierten Angebote durch die Bundesagentur für Außenwirtschaft (bfai) und die Erweiterung des Auslandsmesseprogramms auf Gemeinschaftsausstellungen junger Technologieunternehmen auf inländischen internationalen Leitmessen.
 
VOICE:Um unsere gut ausgebildeten weiblichen Arbeitskräfte zu nutzen, bräuchten wir familienfreundliche Arbeitsplätze. Sehen Sie Chancen, dass Politiker und Arbeitgeber das zuwege bringen, anstatt die Familienpolitik den Erfordernissen der Wirtschaft anzupassen?

Minister Glos: Nur mit einer familienfreundlichen Personalpolitik ist eine Win-Win-Situation für Beschäftigte und Unternehmen zu erreichen. Das wird der deutschen Wirtschaft immer mehr bewusst. Auf der Suche nach qualifizierten Fachkräften, ob Frauen oder Männer, ist für mich Familienfreundlichkeit ein Wettbewerbsvorteil schlechthin, gerade für kleine und mittlere Unternehmen. Eine Befragung des Instituts der Deutschen Wirtschaft im letzten Sommer ergab, dass fast drei Viertel der Unternehmen Familienfreundlichkeit als wichtig bzw. sehr wichtig einschätzen. 2003 war es nur knapp die Hälfte der befragten Unternehmen. Das Audit berufundfamilie® der Gemeinnützigen Hertie Stiftung, dessen Schirmherrschaft ich gemeinsam mit Frau Bundesministerin Dr. von der Leyen übernommen habe, wenden inzwischen über 500 Unternehmen, Institutionen und Hochschulen an. Das Bundeswirtschaftsministerium wendet das Audit im Übrigen auch an. Natürlich können wir uns jetzt noch nicht zurücklehnen. Wir müssen uns weiter stark für eine familiengerechte Arbeitswelt engagieren.
 
VOICE: Herzlichen Dank, wir wünschen Ihnen Gottes Segen.


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