Interview mit Dr. Irmhild Bärend

Du bist kein Zufall

Wie das Leben auch mit einer schweren Behinderung gemeistert werden kann, erzählt die Autorin und Mitarbeiterin der Zeitschrift „Entscheidung“.



Dr. Irmhild Bärend, Autorin, war von 1969-1974 Redakteurin bei der Zeitschrift ?contrapunkt? in Bad Salzuflen, seit 1974 Redaktionsleiterin der ?Entscheidung?, 1994-2004 Geschäftsführende Direktorin von Geschenke der Hoffnung e.V. Nach einem schweren Sturz im Nov. 2004 ist sie vom Hals ab gelähmt, arbeitet aber weiterhin mit an der ?Entscheidung?.
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VOICE: Fast jeder Mensch fragt irgendwann nach dem Sinn seines Lebens. Gibt es Ihrer Meinung nach eine generell gültige Antwort auf diese persönliche Frage?
 
Dr. Irmhild Bärend: Eines Tages erkannte ich: Du bist nicht zufällig auf der Welt. Es ist nicht egal, ob du da bist, oder ein anderer. Es gibt einen geheimnisvollen Plan für dein Leben. Den musst du entdecken. Dann wirst du deine Identität finden.
Ich lernte Jesus kennen und verstand plötzlich: Er ist das Fundament für dein Leben. Darauf kannst du buchstäblich „Häuser bauen“. Bei dir würden sie umfallen, jedem heftigen Sturm ausgeliefert, aber bei diesem Jesus haben sie festen Halt.
So ein Hausbau geht nur langsam voran. Es ist ein anstrengender Prozess, der Zeit braucht. Dabei kann viel passieren: Fehlkalkulationen, schlechte Materialien…doch da ist der große Architekt, der mich bei meinem mühsamen Bauen nicht aus den Augen lässt.
Immer wieder staune ich, wie viel Geduld Gott mit mir hat. Ohne ihn könnte ich mir mein Leben nicht vorstellen. Erst durch ihn hat es seinen Sinn bekommen.
Es hat mich tief bewegt, als ich begriff, dass Gott mich liebt und in seiner Nähe haben will.
 
VOICE: Muss man wirklich wissen, wozu man auf der Welt ist?

Dr. Irmhild Bärend: Wenn man das nicht weiß, wird man ein Leben lang auf der Suche nach sich selbst und nach einem Zuhause sein. Wir sind jeden Tag so vielen Einflüssen ausgesetzt. Verführerisch und überzeugend schreien die verschiedenen „Verkäufer“: „Komm zu mir!“ Aber wer von ihnen sagt die Wahrheit?
Wie glücklich war ich, als ich als Schülerin die liebevolle Einladung von Jesus hörte: „Komm zu mir!“ Er wollte mich nicht überreden. Er sagte die Wahrheit – dafür hatte er sein Leben gegeben.
 
VOICE: Nach Ihrem Unfall veränderte sich Ihr Leben total. Nichts war mehr wie zuvor. Können Sie uns sagen, was Ihnen damals die größte Hilfe war?
 
Dr. Irmhild Bärend: Als ich nach dem Sturz, mitten in der Nacht, aus der Ohnmacht aufwachte, und nicht aufstehen konnte, wusste ich sofort: Mir ist etwas Furchtbares passiert, aber Gott ist da. Ich habe nicht nach dem Warum gefragt, sondern fast im selben Augenblick gedacht: Wozu? Was will Gott jetzt mit meinem Leben machen? Für wen kann ich noch da sein?
Ich war immer aktiv und engagiert. Ich fand es wunderbar, anderen helfen zu können und international unterwegs zu sein für meinen Beruf, der für mich wirklich Berufung war. Und nun schien plötzlich alles aus zu sein.
Doch die Hilfe kam, sofort und von allen Seiten. Viele Menschen begannen für mich zu beten und viele tun es heute noch. Ein Pflegeteam fand sich, das mich Tag für Tag betreut, rund um die Uhr. Sie sind meine „Hände und Füße“. Eine rollstuhlgerechte Wohnung in einem Grünbereich von Berlin war ein weiteres großes Geschenk. Dazu noch ein Auto vor der Tür, in das ich mit meinem fahrbaren Untersatz gut hineinkomme… . Es ist unglaublich, wie liebevoll Gott für mich sorgt!
Beinahe jeden Tag kommen Besucher, E-Mails treffen ein, das Telefon klingelt…Ich darf noch dabei sein! Und ich kann auch noch mithelfen- Texte redigieren, neue Kontakte für die Arbeit aufbauen, die ich immer so geliebt habe. Ich kann an Sitzungen teilnehmen und sogar ab und an Reisen machen.
 
VOICE: Woher nehmen Sie den Mut und die Kraft?
 
Dr. Irmhild Bärend: Ja, woher kommt der Mut, soviel zu unternehmen, die Kraft dafür, die Freude darüber und die Dankbarkeit, wieder zum Leben zu gehören?
Das alles wäre ohne die Gnade Gottes nicht möglich. Und nicht ohne die Liebe und Treue der Freunde, die täglich für mich beten. Aus irgendeinem Grund hat er zugelassen, dass ich so schwer gestürzt bin. Ich kenne die Antwort nicht. Aber ich bete, besonders wenn es dunkel um mich ist:„Lass mich keinen Augenblick an dir zweifeln!“
Wie oft wünschen wir einander: „Hauptsache Gesundheit.“ Für mich ist heute viel wichtiger geworden, zu sagen: „ Ich wünsche Dir eine gesunde Seele!“

VOICE: Was ist für Sie jetzt besonders wichtig und sinngebend?

Dr. Irmhild Bärend: Wo immer es möglich ist, von Jesus zu erzählen. Nur durch ihn kann ich meine Situation annehmen. Wie oft frage ich mich: „Was tun nur die Menschen, die nicht glauben? Müssten sie nicht verzweifeln, wenn es ihnen so ginge wie mir?“
Ich habe ganz neu gelernt zu danken. Für alles, was ich noch tun kann – denken, sprechen, sehen, fühlen. Zu danken für diese wunderschöne Schöpfung, die uns umgibt – den Himmel, die Wolken, Sonne und Regen.
 
VOICE: Was können Sie Menschen raten, die keinen Sinn (mehr) in ihrem Leben sehen?
 
Dr. Irmhild Bärend: Jeder von uns hat eine andere Geschichte, jeder kämpft auf seine Weise mit Angst und Verzweiflung. Ich kann nur bezeugen, dass mein Leben niemals so wäre wie es jetzt ist, wenn ich nicht Jesus vertrauen würde. Dabei erinnere ich mich an eine Geschichte: Ein kleiner Junge war auf ein hohes Podest geklettert. Erschrocken lief der Vater zu ihm. Da rief der kleine Junge aus seiner beängstigenden Höhe strahlend: „Papa, fang mich auf!“ Und ließ sich einfach in die ausgestreckten Arme seines Vaters fallen.
Auch wenn es manchmal schwer ist und meine Hilflosigkeit mich wie eine schwarze Wolke umgibt, sehe ich diese ausgebreiteten Arme. Wer erlebt hat, wie sie tragen, wird sie nie wieder loslassen.


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